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09.01.2008

Starke Stimme

Gina Pietsch wird die Rosa-Luxemburg-Konferenz eröffnen

Heike Friauf und Thomas J. Richter
Eine starke Stimme wird den Saal in der Berliner Urania füllen, wenn am Samstag um 11 Uhr die Rosa-Luxemburg-Konferenz eröffnet wird. Ohne Übertreibung eine der stärksten Stimmen in Deutschland – die der Sängerin und Schauspielerin Gina Pietsch. Neben ihr auf der Bühne Uwe Streibel am Klavier. Mit ihm interpretiert sie Lieder von Brecht, Theodorakis und Jara.

Wäre Gina Pietsch schlicht Sängerin, wären ihre Liedinterpretationen einfach nur sehr gut. Durch ihr schauspielerisches Talent aber sind sie brillant. Sie begeisterte als Brechts Opiumraucherin wie auch als Goethes verzweifelter Zauberlehrling. Mit dem Pianisten Gerhard Folkerts verhalf sie Rilke zu echtem Groove. Welche Autoren sie sich wählt, Goethe, Heine und immer wieder Brecht, sie singt und interpretiert deren Texte, als wären sie gerade erst für uns geschrieben. Ihr Programm ist nicht der Bildungskanon, ihre Lieder sind Aufrufe zu einem besseren Leben.

Diese Künstlerin hätte sich auch in luxuriösere Gefilde zurückziehen können, statt im aufreibenden Tagesgeschäft politisch zu wirken. Nach einem Germanistik- und Musikstudium an der Karl-Marx-Universität in Leipzig wechselt Gina Pietsch an die Hochschule für Musik »Hanns Eisler« nach Berlin, wo Gisela May und Ekkehard Schall ihre wichtigsten Lehrer werden. An der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« macht sie ihren Schauspielabschluß, hier unterrichtet sie seit 1992 Gesang und Interpretation.

1973 nimmt sie gemeinsam mit Gerry Wolff ihre erste Platte auf. Sie spielt und inszeniert an verschiedenen Theatern und erhält 1998 den Bayerischen Theaterpreis für den Brecht-Abend »Die Ware Liebe«. Inzwischen tritt sie vor allem mit eigenen Soloabenden auf, dieses Frühjahr wird sie ihren sage und schreibe 15. Brecht-Abend vorstellen.

Weil Kunst für sie ein zentrales Mittel im sozialistischen Kampf ist, stellt Gina Pietsch sich unermüdlich dem Publikum, im November 2007 auch in der jW-Ladengalerie und nun bei der Rosa-Luxemburg-Konferenz. Ihr hoher künstlerischer Anspruch verbindet sich mit sorgfältig ausgewählten aufklärerischen Texten. Wer ihre innige und grimmige Interpretation von Mikis Theodorakis’ Liedern hört– eines seiner schönsten wird sie singen –, spürt sofort, daß eine andere Welt möglich werden muß. Zu Ehren Rosa Luxemburgs eröffnet Gina Pietsch ihr Programm um 11 Uhr mit dem Lied »Grabschrift 1919« von Brecht »Die rote Rosa nun auch verschwand. / Wo sie liegt, ist unbekannt. / Weil sie den Armen die Wahrheit gesagt / haben sie die Reichen aus dem Leben gejagt.«



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