Katja Herzberg
Banda Bassotti wird die Panzerknackerbande aus den Disney-Comics in Italien genannt. Wörtlich übersetzt bedeutet es »Dackelbande«. So heißt auch eine bekannte italienische Band. In der links-alternativen Szene garantiert sie berauschende Ska-Punk-Konzerte, bei denen spätestens nach Erklingen des zweiten Titels fast jeder im Publikum die revolutionäre Faust reckt. Die Band ist eine politische Gruppe, die Musik macht. Am Samstag spielen sie auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz dieser Zeitung in der Berliner Urania.
Die Mitglieder von Banda Bassotti lernten sich Anfang der 80er Jahre in Rom kennen, in Solidaritätsaktionen für Nicaragua, Palästina und das Baskenland. Auch arbeiteten sie bei den sogenannten freien Arbeiterbrigaden mit, die Häuser renovierten, damit sie die linke Szene nutzen konnte. Banda Bassotti wurde 1987 gegründet, musikalisch orientierte man sich am Reggae Rock von The Clash und dem New-Wave-Ska der Specials. Mit ihrem Combat-Rock traten Banda Bassotti zunächst auf Großdemonstrationen, in den »Centri Sociali« (soziale Zentren bzw. besetzte Häuser) oder einfach auf der Straße auf. Dabei war ihr wichtigstes politisches Ziel stets der Kampf gegen den Faschismus. Mit befreundeten Bands initiierten sie das Festival »Gridalo Forte! No al Fascismo! No al Razzismo!« (Schrei laut! Nein zum Faschismus! Nein zum Rassismus!), das von 1988 bis 1991 einmal im Jahr in Rom stattfand. An ihm beteiligten sich Antifa-Gruppen aus ganz Europa mit Workshops, Diskussionen und Konzerten. Im Zuge des Festivals entstand ein Dokumentationszentrum, das »Gridalo Forte Records« getauft wurde und sich zu einer Plattenfirma weiterentwickelte. So wurde 1991 der Sampler »Balla e difendi« (Tanze und verteidige) unter Mitwirkung von Banda Bassotti, Red House, Filo da Torcere und AK 47 veröffentlicht.
Ihr erstes Album nahmen Banda Bassotti erst zehn Jahre nach ihrer Gründung auf. 1991 erschien »Figli della stessa rabbia«, das sie nicht nur in Italien, sondern auch international bekannt machte. Das zweite Album »Avanzo di cantiere« konnte die Gruppe dann 1994 im Baskenland bei Arki Arkarazo, dem Gitarristen von Negu Gorriak, aufnehmen und anschließend vor großem Publikum in Spanien auftreten. Nach diesen Erfolgen löste sich die Banda 1996 erst einmal auf. Das Musikerleben kostete zuviel Kraft und war mit dem römischen Alltagsleben nicht vereinbar.
2001 kam es zun einer Reunion für ein Benefizkonzert. 12000 Fans feierten die Gruppe empathisch. Diesem starken Eindruck konnte sich die Banda Bassotti nicht entziehen, die daraufhin beschloß, weiterzumachen. Nun mit drei Bläsern und mehr Ska als Punk. Nach sieben Jahren Abstinenz ging man wieder ins Studio. 2002 erschien »L’altra faccia dell’Impero«. Die anschließende Tour führte sie erstmals auch über Grenzen Europas hinweg, unter anderem nach Japan. 2003 spielten sie das Album »Asi es mi vida« ein, auf dem sie internationale Arbeiterlieder coverten. Nach Erscheinen der fünften Platte, »Amore e odio« kam Banda Bassotti erstmals zu einer kleinen Tour nach Deutschland. Mit dem aktuellen Album »Vecchi Cani Bastardi« tourten sie auch in Südamerika. Im März erscheint eine neue CD. Die Banda Bassotti hat noch einiges vor.