Verlag, Redaktion, Genossenschaft
Wenn sich am kommenden Samstag wieder über 2000 Linke zum
Jahresauftakt in der Berliner Urania treffen, gibt es neben der
Podiumsdiskussion auch viele kulturelle und kulinarische
Genüsse. Im Mittelpunkt stehen in diesem Jahr ein Konzert zum
50. Jahrestag der kubanischen Revolution und zur Erinnerung an die
Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Und wie jedes
Jahr die Beiträge von internationalen Gästen.
Die Vortragsreihe der XIV. Rosa-Luxemburg-Konferenz steht unter dem
Motto »Internationalismus und Gegenmacht heute«. Sie
wird um 11.00 Uhr von Klaus Gietinger eröffnet, der als
Regisseur von Tatort-Krimis und anderen erfolgreichen Filmprojekten
sowie als Buchautor bekannt ist. Gietinger hat die
Forschungsarbeiten der verstorbenen jW-Genossenschafterin Doris
Kachulle über einen der Hintermänner des Mordes an Rosa
Luxemburg mit eigenen Recherchen ergänzt. Daraus entstand sein
Buch »Der Konterrevolutionär. Waldemar Pabst –
eine deutsche Karriere«, das im Januar bei Edition Nautilus
erscheint. Der Offizier Pabst gehörte nun wahrlich nicht zu
den Sozialdemokraten, aber er handelte in Absprache mit deren
Führungspersonal. Gietinger nennt seinen Beitrag für die
Konferenz denn auch »Eine Lizenz zum Morden – Das Duo
Waldemar Pabst und Gustav Noske«. Ein Beispiel dafür,
daß die Klassenkämpfer auf der anderen Seite der
Barrikade gemeinsame Sache machen, wenn es darauf ankommt.
Erfolgreiche Gegenmacht kann deshalb auf dieser Seite nur durch
solidarische Zusammenarbeit entstehen – über alle
Unterschiede, Widersprüche und Grenzen hinweg.
Auch beim zweiten Vortrag wird das deutlich. Der Soziologe Prof.
Dr. Imad Samaha (Lebanon University, Mitglied der KP Libanon) wird
über die aktuelle Entwicklung im Nahen Osten sprechen.
Daß er dabei den Schwerpunkt auf einen aktuellen
mörderischen Krieg legen muß, konnten wir beim Planen
der Konferenz nicht wissen. Wie ist das Verhältnis der
Kommunisten zu den islamistischen Gruppen, wie kann Gegenmacht
entwickelt werden und welche Rolle wird die Entwicklung von
internationaler Solidarität für den Fortgang der Dinge
spielen?
Der nächste Referent kommt aus Italien. Der Philosoph Domenico
Losurdo wird über Grenzen der Zusammenarbeit sprechen:
Welche Kräfte stehen tatsächlich für
Veränderung? Und welche bieten lediglich an, die bestehenden
Verhältnisse zu kaschieren und damit zu verlängern? Nicht
nur unter Italiens Kommunisten sind heftige Strategiedebatten
entbrannt. Sozialpartnerschaftliche Illusionen sind unter den
Bedingungen einer aggressiven imperialistischen Machtstrategie des
Kapitals, die auf nichts und niemand mehr Rücksicht nehmen
will, immer schwerer zu vermitteln. Im Gegenzug gibt es eine
Rückbesinnung auf Ideen von Karl Marx und W.I. Lenin –
bis ins bürgerliche Lager hinein. Welche Auswirkungen hat das
für die organisierte Arbeiterbewegung in Italien und in
Europa?
Die Entwicklungen in den USA widersprechen scheinbar dieser
Erkenntnis: Da hat es ein Mann zu Präsidentenwürden
gebracht, in dem sogar eingefleischte Linksradikale einen
Hoffnungsträger sehen. Welche Möglichkeiten für
Veränderungen hat Obama? Verändern sich die
Kampfbedingungen der US-amerikanischen Linken? Ist ein neuer
Auftrieb außerparlamentarischer Aktivitäten zu erwarten
oder werden diese nun überflüssig? Unter anderem
darüber wird als nächstes Sara Flounders vom
Internacional Action Center der USA zu den Gästen der
Konferenz sprechen.
Der vierte Vortrag wird den Regierungswechsel in den USA eher am
Rande erwähnen. Georgina Alfonso Gonzáles,
stellvertretende Leiterin des kubanischen Philosophie-Instituts,
weiß, daß es vor allem die Präsidenten der
Demokratischen Partei waren, die die schärfsten Sanktionen
gegen Kuba durchsetzten. So wird sie sich in ihrem Beitrag vor
allem darauf konzentrieren, wie nach 50 Jahren die wichtigsten
Errungenschaften der Revolution auch unter neuen Bedingungen
aufrechterhalten werden können. Kuba ist eines der wenigen
langlebigen praktischen Beispiele dafür, daß Gegenmacht
möglich – und internationale Solidarität eine der
Existenzbedingungen dafür ist.
Die europäische Linke bezieht sich viel zu sehr auf sich bzw.
auf europäische Verhältnisse. Daß aber für die
meisten Menschen nicht die USA oder Europa das Maß aller
Dinge stellen, daran erinnert Ahmat Dansokho, Generalsekretär
der Partei der Unabhängigkeit und Arbeit Senegals (PIT).
Dansokho haben wir eingeladen, um über die Erfahrungen des
Kampfes der Arbeiterklasse in Afrika zu berichten und über
seine Kontakte zu Che, mit dem er gemeinsam im afrikanischen
Dschungel gekämpft hat. Seine Genossinnen und Genossen sind
aktuell von einer Verhaftungswelle betroffen, es gibt Fälle
von Folter. Internationale Solidarität ist auf der Konferenz
nicht nur eine theoretische Frage der Strategie und Taktik, sondern
eine ganz praktische.
Das belegt auch der Beitrag von Mumia Abu-Jamal, den der Journalist
und politische Gefangene nur wenige Tage vor der Konferenz
persönlich über Telefon auf Band spricht. Die
Konferenzteilnehmer werden am kommenden Samstag Mumia im
Originalton aus der Todeszelle sprechen hören. Zwischen den
Hauptbeiträgen wird es auch auf der kommenden Konferenz eine
Reihe von Grußadressen und Kurzbeiträgen geben.
Wie in jedem Jahr läuft der Vorverkauf auf Hochtouren. Karten
können Sie noch bis Montag beim Aktionsbüro bestellen.
Wenn Ihre Bestellung bis Montag eingeht, schicken wir Ihnen die
Karten zu. Ab Dienstag werden Karten nur noch reserviert, die Sie
dann bitte am Samstag bis 10.30 Uhr an der Tageskasse abholen.
Bitte beachten Sie, daß reservierte Karten danach in den
normalen Kartenverkauf gehen. Rechtzeitiges Erscheinen sichert
Ihnen einen guten Platz im großen Saal der Urania. Falls der
aber nicht ausreicht, übertragen wir die Veranstaltung in
einen zweiten Saal. Karten können darüber hinaus bis
Freitag in der jW-Ladengalerie (Torstraße 6, 10119 Berlin,
Nähe Alexanderplatz) von 10 bis 18 Uhr oder im Laden der
Antifa red stuff (Waldemarstraße 110, 10997 Berlin) von 14
bis 19 Uhr erworben werden.