Johannes M. Becker
Die Einsatzkräfte der Europäischen Union EUFOR stehen nicht nur in Bosnien-Herzegowina zum Ärger der USA, sondern auch im Tschad und im Kongo
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Die XIV. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz findet unter
dem Motto »Internationalismus und Gegenmacht heute«
statt. Die Podiumsdiskussion »Europäische Union –
das nette Imperium von nebenan« komplettiert die
größte Theorie- und Strategieveranstaltung der
bundesdeutschen Linken.
Barack Obama ist zur Freude vieler Beobachter der US-amerikanischen
Verhältnisse zum neuen Präsidenten gewählt worden.
Neben der vermutlich richtigen Einschätzung, daß jeder
Präsident nach George W. Bush nur besser sein könne als
dieser, und der positiv zu vermerkenden Tatsache, daß wenige
Jahrzehnte nach der offenen, heute eher verdeckt existierenden
Rassentrennung und -diskriminierung in den USA ein Farbiger zum
Präsidenten gewählt wurde, gibt es einige Punkte, die nun
zu diskutieren sind. Ein zentrales Problem ist das zukünftige
Verhältnis von EU und USA, zu dem im folgenden neun Thesen
aufgestellt werden.
1. These: Die EU ist mehr noch als zu Bushs Amtsantritt vor acht
Jahren ein ökonomisch gefestigtes Gebilde, ein
wirtschaftliches und wirtschaftspolitisches Imperium.
Die direkten Konsequenzen des Endes des Kalten Krieges waren
zunächst ein Stopp des Wettrüstens (wenn auch nur von
kurzer Dauer), die Akzeptanz der jeweiligen Gegenseite als
vertrauens- und verhandlungswürdig, die stärkere
Durchlässigkeit der Grenzen zwischen Ost und West sowie die
Aufgabe der DDR durch die sowjetische Führung. Hieran
schlossen sich die Auflösung der Sowjetunion und ihres
Wirtschaftsbündnisses an, des Rates für Gegenseitige
Wirtschaftshilfe (RGW); nicht zu vergessen die Auflösung des
Militärbündnisses der Warschauer Vertragsorganisation,
kurz: das Ende der Ost-West-Konfrontation. Zwischenzeitlich war der
deutsche Einigungs-, besser: Anschlußprozeß in Gang
gekommen u. a. mit einer »Normalisierung« der deutschen
Sicherheitspolitik. Dieser Prozeß wiederum wirkte wie ein
Katalysator auf die Planung und Realisierung sowohl der
Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) der EU als auch der
Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP). Bei den
großen westeuropäischen Partnern der Bundesrepublik
verstärkte sich angesichts des neuen, 82 Millionen Einwohner
zählenden Deutschlands die Neigung, dieses verstärkt und
endgültig in Europa einzubinden. Kanzler Gerhard Schröder
(SPD) sollte am Beginn des neuen Jahrtausends zutreffend von der
»Enttabuisierung des Militärischen« in Deutschland
als einer der großen Leistungen seiner Regierungszeit
(1998–2005) sprechen. Ein weiterer Effekt des Endes der
Blockkonfrontation ist die Ost- und Südosterweiterung der EU
um zehn Staaten am 1. Mai 2004 und um weitere zwei Staaten am 1.
Januar 2007.
Die EU beteiligt sich seit dem Beginn der 90er Jahre daran, das
Machtvakuum auszufüllen, das durch die Auflösung der
UdSSR entstanden war. Infolge dieses Vakuums erlebt der
Prozeß der Globalisierung einen gewaltigen Aufschwung. Die
USA veranlaßte es zu ihrer unilateralen Politik der
»permanenten Intervention« und des »Kampfs gegen
den internationalen Terror«. Die Systemkonkurrenz zwischen
Sozialismus und Marktwirtschaft/Kapitalismus ist vom
innerkapitalistischen Wettbewerb der Interessenwahrnehmung
abgelöst worden. Diese Interessen betreffen den Zugang zu und
Zugriff auf die Schlüsselrohstoffe wie die Öffnung
fremder Märkte und die Abschottung der eigenen.
Die Wandlung der EU, in früheren Stadien Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und Europäische Gemeinschaft
(EG) genannt, zu einem tragenden und treibenden Faktor der
Globalisierung kann heute konstatiert werden. Sie stellt aktuell
mit zirka 500 Millionen Produzenten und Konsumenten das mit Abstand
größte kohärente Wirtschaftsgebiet in der
Konkurrenz der Industriestaaten dar. Zwischen 60 und 70 Prozent der
Importe und Exporte wickeln die 27 EU-Länder untereinander ab.
Nicht zu unterschätzen ist die gewachsene Rolle der EU-Staaten
im Rüstungsexport.
Als symbolischer Ausfluß der gewachsenen Bedeutung der EU im
Verhältnis zu den USA könnte das »Briefing
Book«, das Europa-Handbuch der Bertelsmann-Stiftung,
betrachtet werden, mit dem die einflußreiche Einrichtung
»Politikempfehlungen für den neuen US-Präsidenten
und sein Team aus europäischer Sicht
zusammen(faßt)«.1 Hier handelt es sich um einen
außenpolitischen Forderungskatalog der EU-Staaten – zu
Zeiten des Kalten Krieges nur schwer vorstellbar.
2. These: Der Einfluß der derzeit geopolitisch unilateral
agierenden USA hingegen wird in den kommenden Jahren vermutlich
schwinden.
Am 22./23.11.2008 berichtete das Neue Deutschland von einer
US-Geheimdienststudie, die einen Aufstieg vor allem der
Volksrepublik Chinas, aber auch Indiens für sehr
wahrscheinlich hält; China wurde als kommende Wirtschafts- und
Militärmacht gesehen. Dabei berücksichtigte die Studie
nicht die Finanzkrise, die die von ihren Autoren festgestellten
Tendenzen sicherlich noch verstärken wird.
Es deuten sich derzeit tiefe Verwerfungen innerhalb der
US-Gesellschaft an: Die bereits heute zu konstatierende Verarmung
weiter Kreise der Bevölkerung dürfte tief in den
Mittelstand ausgreifen. Die Bush-Ära hat das Land vor allem
durch die immensen Rüstungs- und Kriegsausgaben in Irak und
Afghanistan in eine erneute tiefe Verschuldung hineingeführt
– eine Verschuldung übrigens, die großenteils
durch die Handelsbilanz- und Devisenüberschüsse Chinas
aufgefangen wird. Ob die Obama-Regierung die politische Kraft haben
wird, den US-Staatshaushalt durch Abgaben auf immense
Reichtümer und hohe Einkommen im Gegensatz zu Massensteuern
einem Ausgleich entgegenzuführen, bleibt mit Skepsis
abzuwarten.
Soziale Aufstände in den USA gegen eine weitere Verarmung (so
Rainer Rupp in jW vom 24.12.2008) werden nicht weiter
ausgeschlossen. Die Bush-Regierung hat hiergegen neben dem
polizeistaatlichen Patriot-Gesetz das neue Ministerium für
Heimatschutz, ein Synonym für den rapiden Abbau
persönlicher Freiheitsrechte geschaffen.
Bei der Einschätzung der geschwächten internationalen
Stellung der USA sind weitere Faktoren zu berücksichtigen: Der
politische Loslösungsprozeß großer Teile
Lateinamerikas von den USA geht unvermindert voran.
Dessenungeachtet wird die nordamerikanische Hegemonialmacht eine
Ausweitung der »bolivarischen Revolution« zunehmend mit
Störmaßnahmen begleiten, unter Umständen sogar
offen militärisch intervenieren (versteckt tun sie dies
bereits in Bolivien, Venezuela etc.). Hier werden dann politische
wie ökonomische Interessen der EU (und in wachsendem
Maße Chinas) tangiert werden.
Die USA haben bereits an mehreren Stellen versucht, den
französischen und britischen Einfluß auf Afrika
zurückzudrängen, zumindest zu stören. Allerdings ist
die Verlegung von AFRICOM gescheitert; das neugeschaffene
US-Oberkommando für Afrika muß einstweilen in
Deutschland stationiert bleiben.
3. These: Trotz der international geschwächten Stellung hat es
die US-Administration unter Bush vermocht, einen Keil tief in die
2004 und 2007 erweiterte EU zu treiben.
Dies gelang zum einen mit der »Koalition der Willigen«
im seit 2003 währenden Irak-Krieg, als die
Bush-Rumsfeld-Powell-Regierung neben Großbritannien zentrale
EU-Länder wie Italien, Spanien und Polen in ihren »Kampf
gegen den internationalen Terror« einzubinden verstand.
Insgesamt konnte die US-Administration 44 Länder in die
Auseinandersetzungen hineinziehen. Der Feldzug gegen den Irak des
Hussein-Regimes war nach einer absurden, von Washington
inszenierten Eskalierungsstrategie vom Krieg wegen vermeintlicher
Massenvernichtungswaffen zum Rachefeldzug aufgrund der Schmach des
11. September mutiert, hinter dem freilich unübersehbar
imperiale Rohstoffinteressen stehen.2
Einen weiteren Keil trieben die USA in den EU-Staatenbund mit der
virulenten Stationierung von US-Raketenabfangsystemen in Polen und
Tschechien – diese wären eine direkte Provokation
gegenüber Rußland. Wenn die EU die Ukraine und vor allem
Georgien in absehbarer Zeit aufnimmt, wird sich dieser
antirussische Aspekt vertiefen, an dem die Länder der EU der
15 kein Interesse haben. Obama hat die endgültige Entscheidung
über den von der Regierung Bush geplanten Bau des
Raketenschilds einstweilen vertagt.
4. These: Die Politik des »divide et impera«, des
»Teile und herrsche« der USA betrifft in erster Linie
das Verhältnis der EU zur Russischen Föderation.
Rußland ist mit seinen 142 Millionen Einwohnern zum einen ein
wichtiger Markt für die EU-Staaten. Das Land liefert zum
anderen derzeit gut 60 Prozent des in der EU verbrauchten Erdgases
und Erdöls; ein Wert, der bis zum Jahre 2015 auf 75 Prozent
ansteigen wird. Die EU muß also unabhängig von allen
ethischen Fragen von Frieden und Sicherheit an einem guten
Verhältnis zu Rußland interessiert sein. Dieses wird
jedoch durch die in These 3 angesprochene Stationierungspolitik
ebenso wie durch die fortwährenden Ausdehnungen von NATO und
auch EU in Richtung russischer Grenzen in Frage gestellt.
Wenn sich die westlich orientierten Kräfte in Georgien, der
Ukraine (und Belarus) bereits derart stark von den
Beitrittsversprechungen und EU-Erweiterungsaussichten animiert
sehen, sollte von seiten entspannungsorientierter Kräfte
über eine Aufnahme auch der Russischen Föderation in die
EU nachgedacht werden – dann würde das Bündnis
freilich einen anderen Charakter annehmen.
5. These: Die US-Politik des »divide et impera« hat im
Zusammenhang mit dem Irak-Krieg jedoch noch ein für Washington
unerwünschtes politisches Nebenprodukt erzeugt.
Kanzler Schröders »Nicht jetzt und nicht an der Seite
der USA« zu einer deutschen Irak-Kriegsbeteiligung, im Jahre
2002 freilich im Angesicht einer fast schon verloren geglaubten
Bundestagswahl geäußert, hatte die Achse des
»Alten Europa« (Rumsfeld) zur Folge. Das konservativ
regierte Frankreich, immer auf Distanz zu den USA bedacht und den
Irak sowieso eher als eigenes denn als US-amerikanisches
Einflußgebiet ansehend, wollte der Bundesrepublik das
politische Feld in der Frage des Umgangs mit den US-amerikanischen
Eskalierungsstrategien gegenüber dem Irak nicht allein
überlassen. Luxemburg schloß sich an; die
»Koalition der Unwilligen« reichte schließlich
über Moskau hinaus bis nach Peking.
Nach und nach zogen sich dann einzelne EU-Staaten aus dem wenig
Erfolg versprechenden und von einer wachsenden Unbeherrschbarkeit
gekennzeichneten Land zurück: so auch Spanien, Italien und
Polen.
6. These: Der Afghanistan- wie der Irak-Krieg dürften neben
dem Verhältnis zu Rußland zu den sensibelsten
Politikfeldern im zukünftigen Verhältnis der USA zur EU
werden.
Die Bundesrepublik verstrickt sich aktuell immer tiefer in den
Afghanistan-Krieg, der, wie sachkundige Beobachter
übereinstimmend feststellen, militärisch nicht zu
gewinnen ist. Die neue US-Regierung hat hier
unmißverständlich eine verstärkte
»Übernahme von Verantwortung« durch ihre
europäischen Verbündeten gefordert. Während Obamas
Vertreter einen sukzessiven Rückzug aus dem Irak
ankündigten und diesen am Jahresende 2008 mit der Regierung in
Bagdad vereinbarten, wird die neue Administration das
US-Militär in Afghanistan auf etwa 40000 Soldaten verdoppeln,
andere Schätzungen sprechen gar von 60000. Der deutsche
Bundestag hat das Bundeswehrkontingent seinerseits um ein Drittel
auf 4500 Soldaten aufgestockt. Der Einsatz der deutschen
»Tornados« in Afghanistan hat übrigens die Zahl
der zivilen Opfer in die Höhe schnellen lassen.
Die indirekte Unterstützung des Irak-Krieges durch die
Bundesrepublik könnte in diesem Zusammenhang eine neue
Qualität erhalten. Bei einem tendenziellen Rückzug der
US-Truppen könnte die Bundesrepublik mit ihrem Konzept der
»zivil-militärischen Zusammenarbeit« unter
Umständen in eine neue Rolle schlüpfen. CIMIC (Civil
Military Cooperation) ist jedoch lediglich eine politische
Mogelpackung zur Legitimierung einer weiteren
Besatzungspolitik.
7. These: Mit Blick auf Irak und Iran können die Interessen
von USA und EU in erhebliche Widersprüche geraten.
Die Ölvorkommen des Nahen und Mittleren Ostens stehen auch im
Focus der EU, nicht zuletzt, um die in These 4 angesprochene
wachsende Abhängigkeit von Rußland zu vermindern. Auch
wegen dieser Abhängigkeit wird in Berlin von der
»Verteidigung deutscher Interessen am Hindukusch«
gesprochen und schlug die EU eine umfassende
Militarisierungspolitik ein.
Auf der anderen Seite praktizieren die USA eine Monopolpolitik bei
der Vergabe von Ausbeutungsrechten des irakischen Öls.
Gegenüber dem Iran betätigen sie sich, neben der
Regierung Israels, als aggressivster politischer Akteur. Die Vision
des zukünftigen US-Vizepräsidenten Joseph Biden von einer
»anstehenden außenpolitischen Prüfung« der
Obama-Administration in ihrer ersten Amtszeit dürfte auf den
Iran bezogen sein. Biden gießt hier eindeutig Öl ins
Feuer.
8. These: Die sich abzeichnende Regierungsequipe Obamas
läßt den Gedanken an einen »Change«
vermissen und Schlimmes befürchten.
Die Berufung von James Jones, dem ehemaligen NATO-Oberbefehlshaber
in Europa, als Nationalen Sicherheitsberater und von Zbigniew
Brzezinski, ehemaliger National Security Advisor, als
außenpolitischen Berater lassen nicht auf einen Wandel der
US-amerikanischen Politik schließen. Dieser Eindruck wird
verstärkt, wenn man beachtet, daß der von George W. Bush
ins Amt gebrachte Robert Gates weiterhin Verteidigungsminister
bleiben und Rahm Emanuel, bekannt für seine neokonservative
prozionistische Linie, Stabschef im Weißen Haus werden soll.
Auch die designierte Außenministerin Hillary Clinton ist
bislang nicht als Kritikerin einer Politik des waffenstarrenden
Unilateralismus in Erscheinung getreten. Weiterhin findet sich im
gesamten »Dream-Team« Obamas (Stand Ende Dezember 2008)
keiner der 23 Senatoren und 133 Abgeordneten des
Repräsentantenhauses, die gegen den Irak-Krieg gestimmt
hatten.
Als Chefökonomen hat Obama den neoliberalen ehemaligen
Finanzminister von Expräsident William Clinton, Lawrence
Summers, ernannt. Aus seiner Zeit als Chefökonom bei der
Weltbank dürfte noch bekannt sein, daß er damals
argumentierte, den Giftmüll westlicher Industrienationen
in Länder der »Dritten Welt« zu exportieren, da
die Lebenserwartung dort ohnehin geringer und wegen der niedrigen
Löhne das Leben auch weniger wert sei.
Als Mitglieder seines Economic Advisory Board wählte Obama
unter anderem Anne Mulcahy und Richard Parson, die beide Direktoren
des kürzlich verstaatlichten Hypothekenbank Fannie Mae waren,
die wegen Spekulationen mit »Schrotthypotheken«
bankrott ging. Das in der Finanzkrise wohl wichtigste Amt in Obamas
Kabinett, das des Finanzministers, geht an den bisherigen New
Yorker Notenbankpräsidenten Timothy Geithner. Geithner war
bereits an der Konzeption des US-Bankenrettungsplans beteiligt. Er
agierte von Anfang an als Teil der Spitzentroika gemeinsam mit
Finanzminister Henry Paulson und US-Notenbankchef Ben Bernanke
gegen die Kreditkrise und ist einer der wichtigsten Architekten der
Rettung der Investmentbank Bear Stearns im März 2008 und der
Milliardenspritze für den Versicherungsriesen AIG. Dies
läßt vermuten, daß sich an der bisherigen
Finanzpolitik und -architektur der Weltfinanzmärkte nichts
wesentlich verändern wird.
Obama stellte fest, daß es in dieser »unsicheren
Welt« Zeit für einen pragmatischen Neuanfang sei. In der
Außen- und Sicherheitspolitik müsse sein Land
»eine neue Strategie verfolgen, die gekonnt alle Instrumente
amerikanischer Macht nutzt und ins Gleichgewicht bringt:
Militär und Diplomatie, Geheimdienste und Rechtstaatlichkeit,
Wirtschaft und moralisches Vorbild«. Man beachte die
Prioritäten. Sein Team, so Obama weiter,
»repräsentiert all diese Elemente der Macht
Amerikas« und teile seinen »Pragmatismus bei der
Nutzung der Macht« sowie die Einstellung zur »Rolle
Amerikas als Führer in der Welt«.3
Interessant ist auch ein Blick auf Obamas Geldgeber. Nach einer
Studie des Centers for Responsive Politics spendeten die
Technologieunternehmen im Silicon Valley rund fünfmal soviel
für Obama wie für seinen republikanischen Widersacher
John McCain. Und 91 Prozent der Techno-Firmen im Valley
unterstützten den Demokraten aus Chicago. Mit anderen Worten:
»Das Silicon Valley hat kräftig in Obama investiert,
Millionen von Dollar. Obama ist der Präsident, den die
IT-Branche wollte.«4 Unter den größten Geldgebern
finden sich: 1. Goldman Sachs (Bank) 523478 US-Dollar; 2.
University of California 339168 US-Dollar; 3. UBS (Bank) 327302
US-Dollar; 4. JP Morgan (Bank) 317142 US-Dollar; 5. Lehman Brothers
(Bank) 302697 US-Dollar; 6. Citigroup (Bank) 301146 US-Dollar; 7.
National Amusements (Kinokette) 293022 US-Dollar; 8. Sidley Austin
(Anwaltskanzlei) 271857 US-Dollar; 9. Harvard University 268491
US-Dollar; 10. Google (Internet) 259010 US-Dollar.5
Aus dem Artikel geht hervor, daß Obama von einigen
Finanzhäusern unterstützt wird, seit er im Jahr 2006
für den Class Action Fairness Act stimmte. Dieses von den
Republikanern eingebrachte und seit dem 18. Februar 2005 geltende
Gesetz schränkt das im angelsächsischen Recht bedeutsame
und traditionsreiche Rechtsmittel der Sammelklage deutlich ein.
Künftig können Geschädigte, die gemeinsam gegen
große Unternehmen klagen wollen, ihre Klagen nur noch bei
Bundesgerichten und nicht mehr bei Bezirksgerichten oder solchen
der Bundesstaaten einreichen. Damit sind die
Klagemöglichkeiten geschädigter Verbraucher, etwa gegen
die Zigaretten- oder die Asbestindustrie, erheblich
eingeschränkt worden.
Insgesamt hat Obama fast 600 Millionen Dollar
Wahlkampfunterstützung erhalten. Das sind nur etwa 97
Millionen weniger, als 2004 Bush jun. und sein demokratischer
Kontrahent John Kerry zusammen zur Verfügung standen.
9. These: Die eingangs gestellte Frage kann heute noch nicht
eindeutig beantwortet werden.
Nach allen bisherigen Informationen wird die Hoffnung auf einen
»real Change« durch Obama schneller enttäuscht
werden als befürchtet. Die US-Politik dürfte sich in den
kommenden Jahren im besten Falle als geschwächter,
»smarter Imperialismus« zeigen.
Solange sich die EU in einen Wettbewerb der »Imperien«
begibt, scheint ihre Position strukturell schwach. Dies könnte
anders sein, wenn sie einen taktischen Wechsel in ihrer
Sicherheitspolitik vornähme: fort von der Kopie des
US-Interventionsmodells, des »divide et impera« und der
Aufrüstung, um mit den US-Amerikanern auf Augenhöhe
verhandeln und Politik machen zu können, hin zu neuen
»terms of trade« vor allem mit
Entwicklungsländern. Hierzu hat sie gute Chancen.
Wirkungsvolle soziale Bewegungen innerhalb der EU (und der USA),
die die derzeitige tiefe Krise des Kapitalismus zu einem
grundsätzlichen antimarktwirtschaftlichen Richtungswechsel
nutzen könnten, sind indes nicht zu erkennen. Wobei die
Aufstände der Jugendlichen in Griechenland Ende letzten Jahres
oder in Frankreich zwei Jahre zuvor als eine Art Krisenindikator
nicht unterschätzt werden sollten.
In jedem Falle scheint die Voraussage von einem Ende des
US-Imperiums in seiner heutigen Form durch Johan Galtung nicht
weiter utopisch; der norwegische Friedensforscher hat bereits
mehrfach den Niedergang der USA aufgrund von endogenen wie exogenen
Faktoren für das Jahr 2020 vorausgesagt.
1
www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/bst/hs.xsl/nachrichten_91306.htm
2 Siehe dazu: Johannes M. Becker/Herbert Wulf (Hg.),
Zerstörter Irak – Zukunft des Irak. Der Krieg, die
Vereinten Nationen und die Probleme des Neubeginns, Schriftenreihe
zur Konfliktforschung des Zentrums für Konfliktforschung der
Universität Marburg, Münster 2008
3 www.sueddeutsche.de/politik/157/449881/text/
4
www.handelsblatt.com/politik/news/barack-obama-der-tech-praesident;2083571
5
www.rankaholics.de/w/die+groeßten+geldgeber+von+barack+obama_1805
Johannes M. Becker gehört zur Leitung des Zentrums
für Konfliktforschung der Universität Marburg