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11.01.2009

Hallo Vermittlung!

Melodie und Rhythmus: Ewo2, Vicente Feliu, Jose Andres Ordas Aguilera und Cool Breeze machten die Musik der Rosa-Luxemburg-Konferenz

Christof Meueler
Musikalisches Meer
Musikalisches Meer: Jose Andres Ordas Aguilera spielte allein im Doppelpack – und mit Vicente Feliu
Samstag war rot. Die logische Farbe auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz: Plakate, Fahnen, Sterne und sogar die Stuhlreihen. Auch bei den Konzertereignissen. Der Kubaner Jose Andres Ordas Aguilera trug dann auf der Bühne auch einen roten Kapuzenpulli mit Che Guevara drauf. Vorher war Ewo2 dran. Dafür hatte deren Sänger Bernd Köhler seine rote Jacke ausgezogen. Im schwarzer Nologo-Kleidung sang er schließlich davon, den roten Stern zum Tanzen bringen zu wollen. Das war ein persönliches Lied zum Schluß aus Good-Old-Liedermacher-Country, nachdem seine Band diverse Hits der Arbeiterbewegung filigran dekonstruiert hatte – mit Drone-Sounds, Sprech- und Orchestersamples, teilweisen House-Beats und vor allem kunstvoll akzentuiertem Gitarrenspiel mit melancholischem Nachhall wie früher in den 90ern Bohren & Der Club of Gore.

Als Ewo2 ihre schöne, besonders vorsichtige Version der »Internationale« spielten, ein Lied, das laut Köhler »in Massenchören und pathetischen Aufführungen niedergebrüllt« worden sei, tönten prompt ein paar berauschte Mitsinger aus dem Publikum Marke Alte Schule, was er mit »ist halt Berlin« kommentierte. Als wollte die Tradition die Gegenwart sprengen, dabei sollte doch gerade die Gegenwart die übrige Zeit angreifen. Später gab Köhler, der Mann mit der starken Sprechtheater-Stimme, »Bella Ciao« zum besten, und löste die Mitklatsch- und Mitsing­ambitionen des Publikums in schnellem Hot Jazz auf. Solche Irritationen präsentiert er mit großer Freundlichkeit, die Verpflichtung zur hämischen Lustigkeit und historischen Distanzierung, wie sie sich zum Beispiel die Bolschewistische Kurkapelle auferlegt hat, geht ihm ab. Er ist mehr Künstler als Unterhalter, aber gleichzeitig ein integrer Vermittler, zenbuddhistisch gelassen geworden durch mehr als 30 Jahre Gewerkschaftsmusik.

Das beste Lied des Abends wurde vom sehr guten Ewo2-Gitarristen Hans Reffert zur Slide auf seinen ­Knien gesungen – »Joe Hill« als brachialer Talking Blues mit Flüstern und Brüllen. Das hätten Nick Cave oder Muddy Waters an einem guten Tag nicht besser hingekriegt. Aus aktuellem Anlaß spielten und sangen Reffert und Köhler dann zusammen das Lied »Geld«, eine atonale Predigt in englisch-deutsch mit versetztem Einsatz, wobei Köhler immer die Zeilen »es hat lang gedauert, bis ich das verstanden habe« wiederholt. Ein Blick zwischen den beiden, jeder setzt die Wasserflasche an, und dann geht es los – klingt wie eine Post-Punk-Single aus den frühern 80ern, deren Avantgarde-Anspruch erst heute eingelöst wird, weil man endlich die Instrumente auf hohem Niveau beherrscht, basiert aber auf dem Text aus dem Ausstellungskatalog eines japanischen Künstleres, den Köhler zufällig mal in der Hand hatte.

Klassische Arbeit an der Kunstform Lied leisteten dann die Veteranen der Nueva Trova. Auf die kreative Verhandlung von Widersprüchen kam es weniger an, es weiß ja jeder, daß Kuba einen einzigen Widerspruch zum US-Imperialismus darstellt. Aguilera sagte, er wäre zum ersten Mal wieder in Deutschland, seit er 1984 in Ostberlin beim damaligen »Festival des Politschen Liedes« aufgetreten war. Dasselbe meinte auch Vicente Feliu, als er eine halbe Stunde später die Bühne betrat. »Gut, es war ein anderes Deutschland, aber trotzdem Deutschland«. Aus dem Publikum wurde eher höflich »Naja« gerufen. Als Feliu kam, wurde er von dem etwas jümgeren Aguilera als der »Gründer, Gründer, Gründer« des Nueva Trova angekündigt. Dezent-lässig schlenderte er herbei, stellte sich neben Aguilera und begleitete ihn mit Fingerschnippsen und Knieklopfen. Aguilera sang harmonischer, Feliu rauher und strenger, dabei zuckte sein Gesicht mit. Und wenn er seine Gitarre spielte, entwicklete er eine sympathische Tendenz zu rocken. Höhepunkt war seine Interpretation eines Gedichts, das Federico Garcia Lorca extra für das Spielen einer Gitarre verfaßt hatte. Es gab Lieder über das Älterwerden, die »Cuban Five«, die Liebe und die Sandinisten und eins über den 50. Geburtstag von Feliu, von dem er meinte, wenn Kuba sich zum 50. Jahrestag der Revolution ein Lied geschrieben hätte, würde das bestimmt so ähnlich sein. An sich uferten die Lieder aus, Aguilera/Feliu fluteten den großen Saal der Urania methodisch-melodisch, ließen eine Art musikalisches Meer entstehen, in das sie per Kopfsprung eintauchten.

Parallel lief im Loft der Urania ein Tanzkonzert von Cool Breeze. Acht Leute, drei Bläser und vor der Bühne machten vier Redskins ineinander gehakt Can-Can. Songs von Duke Ellington, Lord Kitchener und ein bißchen Trockeneis. Cool Breeze spielen abstrakten Ska, um den Klischees dieser Musik zu entrinnen – klappt meistens. Sie tippen das Genre nur an, damit es ins Schwingen kommt. Im Jugendzentrumspublikum massenweise Jungkommunisten, komischerweise fast alle in schwarz gekleidet.



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