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16.01.2009

Der Mensch im Mittelpunkt

Gegenwehr heute: Die XIV. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin

Rüdiger Göbel
Empfang der internationalen Gäste am Freitag abend, Rosa-Luxemburg- Konferenz und Solidaritätskonzert in der Urania am Samstag, Demonstration zur Gedenkstätte der Sozialisten in Friedrichsfelde und feierliche Enthüllung einer Rosa-Statue in Mitte am Sonntag – es war ein wahres Mammutprogramm, das die junge Welt und ihre Unterstützer am vergangenen Wochenende zu bewältigen hatten. Allen voran das Aktionsbüro und die Kolleginnen und Kollegen vom Verlag leisteten Rekordarbeit. Von Hektik und Streß nach außen keine Spur, selbst als kurz vor Konferenzbeginn noch rasch die Kabel für die Übersetzerkabinen verlegt und Palästina-Solidaritätstransparente an die Wände des Großen Saales gehängt wurden. Die Losungen des israelischen Friedensblocks Gush Shalom »Stoppt das Morden. Stoppt die Besatzung. Stoppt die Blockade« und »Stoppt die Vernichtung der palästinenensischen Bevölkerung« machten aus dem abstrakt klingenden Veranstaltungstitel »Internationalismus und Gegenmacht heute« eine konkrete Handlungsaufforderung. Bis dato zeichnet sich die deutsche Linke durch weitgehende Abwesenheit bei den Antikriegsprotesten der palästinensischen und arabischen Gemeinden aus. Die US-Aktivistin Sara Flounders, die in den vergangenen Jahren wiederholt die Kriegsgebiete Irak, Libanon und Palästina bereist hatte, konnte es gar nicht glauben, als ihr in der Garderobe berichtet wurde, nicht nur Friedensbewegung und Linkspartei, sondern auch die hiesigen Kommunisten fordern Israel und die Hamas gleichermaßen zur Einstellung der Angriffe auf. Beherzt und unter dem Applaus des Publikums verteidigte sie in ihrem Vortrag später die palästinensische Gegenwehr. Und der Philosoph Domenico Losurdo konstatierte: »Die Solidarität mit dem Märtyrervolk unserer Tage schlechthin ist ein wesentliches Element des Internationalismus. « Im Foyer verteilten junge Aktivistinnen der türkisch-kurdischen Migrantenorganisation DIDF unermüdlich Flugblätter zum Massaker in Gaza. Ein Symbol für Internationalismus und Gegenmacht ist Kuba, wie die aus Havanna angereiste Wissenschaftlerin Georgina Alfonso González bekräftigte. Ihr Land habe die vergangenen 50 Jahre gekämpft und überlebt auch dank der internationalen Solidarität. »Der Mensch steht im Zentrum all unserer Bemühungen«, betonte die Vertreterin der jungen Generation der kubanischen Revolution. Und während im großen Saal das Ensemble des Berliner Grips-Theaters mit seinem »Chor der sozialdemokratischen Führung« das Publikum begeisterte, strahlte draußen auf der Leuchtdiodenwand an der Urania der rote Stern weithin sichtbar. Sehr überzeugend präsentierte der Publizist und »Tatort«-Regisseur Klaus Gietinger seine akribischen Recherchen zu den Mördern von Rosa Luxemburg. In seinem Vortrag schlug er in gut 30 Minuten einen großen Bogen von der Kriegs- SPD vor 90 Jahren zur NPD und Ronald Pofalla, hatte doch der CDU-Generalsekretär vor einigen Monaten das militärische Vorgehen von Gustav Noske ein »beherztes Auftreten für eine Republik« genannt. Der Berliner Neonazichef Jörg Hähnel wiederum heißt die Morde an Luxemburg und Liebknecht am 15. Januar 1919 als »Akt des Demokratieerhalts« gut. Traurige Kontinuität der Rosa-Luxemburg-Konferenz blieb auch in diesem Jahr, daß der Beitrag von Mumia Abu-Jamal per Tonbandaufnahme eingespielt werden mußte. Der US-Journalist kämpft nach wie von der Todeszelle aus um ein neues faires Verfahren und ist weiterhin von der Hinrichtung bedroht, wie sein Übersetzer und Unterstützer Jürgen Heiser klarmachte. Nach der Diskussion am Abend über die EU, »das nette Imperium von nebenan «, war den meisten der 1 600 Konferenzteilnehmer offensichtlich die Luft ausgegangen. Die großartigen Konzerte des kleinen elektronischen Weltorchesters, kurz: Ewo2, und des Kubaners Vicente Feliú, in Begleitung von Pepe Ordas, genoß leider nur ein kleineres Publikum. Schon jetzt vormerken: Die XV. Rosa-Luxemburg-Konferenz der jW findet statt am 9. Januar 2010.

Auszüge der Referate lesen Sie in der jW-Sonderbeilage am 28. Januar. Im März erscheint eine Konferenzdokumentation als Broschüre. Den »Chor der sozialdemokratischen Führung« kann man noch einmal im Stück »Rosa« im Grips- Theater erleben (www.grips-theater.de). Die Bücher von Klaus Gietinger »Der Konterrevolutionär« und »Eine Leiche im Landwehrkanal« gibt's auch in der jW-Ladengalerie (www.jungewelt-shop.de)



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