Arian Wendel
Arian Wendel ist Aktivist der Antifaschistischen
Revolutionären Aktion Berlin (ARAB). Er sprach im Plenum der
Rosa-Luxemburg-Konferenz als Berichterstatter des Treffens
verschiedener Jugendorganisationen zur Vorbereitung der
Aktivitäten gegen den NATO-Jubiläumsgipfel, der am 4. und
5. April in Strasbourg und Baden-Baden stattfindet.
Heute gab es hier parallel zur Rosa-Luxemburg-Konferenz ein
Treffen, auf dem sich verschiedene linke Jugendbewegungen getroffen
haben, um darüber zu diskutieren, wie wir am besten zu diesem
60jährigen Geburtstag der NATO mobilisieren können, wie
wir unsere Kräfte bündeln können. Anwesend waren
ungefähr 80 bis 100 junge Leute, auf dem Podium waren z.B. die
kommunistische Jugendorganisation aus Griechenland, die
Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend, der Studierendenverband
DieLinke.SDS, die DIDF-Jugend, eine Organisation von
türkisch-stämmigen Immigranten-Jugendlichen in
Deutschland, ein Vertreter des kurdischen Jugendverbandes und ich
für die Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin.
Auf dem Treffen wurden die alten Fragen heiß diskutiert, die
seit Rosa Luxemburg immer wieder aufgeworfen werden: Reform und
Revolution, wie schaffen wir die Verbindung zwischen den
Alltagskämpfen und einer antikapitalistischen
Perspektive.
Moderator Dr. Seltsam: "Entschuldige, da gibt es doch nur
eine Reform: Die NATO muß weg, da gibt es doch gar keine
Frage."
Ja, da hatten wir auch gar keinen Dissens, sondern eher darum, auf
welcher Grundlage der Kampf gegen die NATO bisher geführt
wurde. Wie gesagt, da wurden die alten Debatten zwischen Friedens-,
kommunistischer und pazifistischer Bewegung geführt. Es waren
sehr spannende Diskussionen, die ich jetzt aber nicht
ausführen will.
Alle Organisationen, die ich gerade genannt habe, mobilisieren
solidarisch und gemeinsam gegen den NATO-Gipfel, um möglichst
viele Leute aus verschiedenen politischen Spektren und
möglichst viele Jugendliche zusammenzubekommen. Was wir hier
vorstellen wollen, ist das, was bereits feststeht: Das ist
sozusagen die Choreographie des Widerstandes, eines kreativen und
vielfältigen Widerstandes, zu dem sich hoffentlich
Zehntausende Menschen Anfang April in Strasbourg versammeln werden,
um ihre Ablehnung der NATO auf die Straße zu tragen. Denn die
NATO sichert militärisch gerade in Zeiten der Krise die
kapitalistischen Verhältnisse, die überall auf der Welt
nicht nur für Krieg, sondern auch für Hunger,
Arbeitslosigkeit und Armut verantwortlich sind.
Wir beginnen schon am 7. Februar in München. Dort findet die
jährliche Sicherheitskonferenz statt. Seit den 60er Jahren
treffen sich da auf Initiative von Rüstungslobbyisten
führende Vertreter der NATO und Militärs, um im Grunde
die kommenden Kriege zu planen. Seit zehn Jahren gibt es massive
Proteste gegen diese Konferenz. In diesem Jahr werden sie der
Auftakt sein für eine breite antimilitaristische Kampage gegen
die NATO. Das ist der erste Punkt in unserer Choreographie.
Eine Woche später fahren wir nach Strasbourg, wo die
internationale Widerstandskonferenz stattfindet. Dort treffen sich
alle Strömungen, die gegen den NATO-Gipfel im April
mobilisieren. Am 14. Februar findet in Strasbourg auch eine
Demonstration kurdischer Linker gegen das Kidnapping von Abdullah
Öcalan vor zehn Jahren in Kenia statt. Es werden 50000 bis
100000 Kurden in Strasbourg auf die Straße gehen. Wir werden
dort hingehen und den kurdischen Genossen vorschlagen, am 4. April
ebenfalls mit 50000 bis 100000 Leuten nach Strasbourg zu
kommen.
Am 1. April geht’s dann los. An diesem Tag öffnet das
internationale Aktionscamp in Strasbourg. Es wird ähnlich wie
beim G-8-Gipfel in Heiligendamm 2007 sein: Die Camps werden die
Stützpunkte sein, von denen aus wir vielfältige und
kreative Aktionen gegen die NATO planen. Am 2. und 3. April,
Mittwoch und Donnerstag, gibt es verschiedene Aktionstage. Thema
wird zunächst die Klimafrage sein, am Donnerstag soll es um
die Verbindung zwischen Krieg und Migration gehen, um die
Absicherung der Grenzen Europas, an denen mit polizeilichen und
militärischen Mitteln die Migrationsströme aus dem
Süden zurückgeschlagen werden. Am Freitag und am Sonntag
findet eine Gegenkonferenz statt, auf der Leute aus der ganzen Welt
zusammenkommen, um über Strategien gegen die NATO zu
diskutieren.
Der wichtigste zentrale Termin, auf den die Woche vorbereiten soll,
wird Sonnabend, der 4. April, sein. Das ist der Tag, an dem die
Feierlichkeiten zum NATO-Geburtstag in Strasbourg beginnen. Wir
rufen zu einer internationalen Großdemonstration unter dem
Motto »No NATO« auf, zu der ungefähr 50000
Demonstranten erwartet werden. Das wird aber nicht das einzige
bleiben. Ähnlich wie beim G-8-Gipfel geht es uns nicht nur
darum, symbolischen Widerstand gegen die NATO zu zeigen, nicht
nur auf die Straße zu gehen, sondern wir wollen den Schritt
vom Protest zum Widerstand gehen. Wir wollen mit einer Vielzahl von
Aktionen den NATO-Gipfel blockieren, so daß die 5000 bis 6000
Lakaien der NATO-Gipfel-Teilnehmer nicht zu diesem Treffen kommen
können. Ich appelliere an euch alle mitzumachen.
Wir werden am Morgen des 4. April den Tagungsort blockieren, so
daß z.B. die Dolmetscher fehlen und die Kriegstreiber sich
nicht mehr verständigen können. Wir hoffen, daß wir
es in den nächsten Monaten schaffen, bis dahin eine breite
Bewegung auf die Straße zu bringen und dem NATO-Kriegsblock
in die Suppe zu spucken.