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Dietmar Koschmieder eröffnet die Kunstausstellung. Foto: Gabriele SenftEs war tatsächlich ein Fest, was da in der zweiten Etage der Urania Berlin anlässlich der Rosa-Luxemburg Konferenz am 9. Januar gefeiert wurde! Nach einer musikalischen Einstimmung durch die Band Mikcsifona dankte Dietmar Koschmieder, Geschäftsführer der jW, in seiner Laudatio zunächst der Gruppe tendenzen Berlin. Zum dritten Mal in Folge hat die Gruppe nun eine beachtenswerte Kunstausstellung zur Rosa-Luxemburg-Konferenz organisiert. Sein besonderer Dank galt jedoch den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern. Sie hatten oft mit großem Aufwand ihre Werke nach Berlin gebracht, wodurch diese wunderbare Ausstellung überhaupt erst möglich wurde. 34 Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland, Polen, Dänemark, Rumänien und Russland präsentierten Ihre Werke einem interessierten und aufgeschlossenen Publikum. Sie befanden sich mittendrin in lebendigem Kunstgeschehen und konnten in vielen Gesprächen, aber auch durch Verkauf Ihrer Exponate Zuwendung und Anerkennung erfahren.
 
Realistische, progressive und parteiliche Kunst, aus dem üblichen Händler-Kunstbetrieb eher ausgegrenzt, wurde hier dankbar in Augenschein genommen. Die Besucherinnen und Besucher drängten sich vor den unterschiedlichen Kunstwerken. Beispielhaft seien hier einige hervorgehoben: Christoph Rode aus Berlin zeigte im Foyer seine als »Circuitus« bezeichnete Interpretation unserer Regierung. Seine lockere, zeichnerische Linienführung mit tachistischer Farbgebung spiegelte wunderbar den lasziven Inhalt des Sujets. Als »Jobby Wood« Welt zeigte Alexej Brykowski aus Berlin Objekte eines Hartz IV Alltags als Mobilé, kontrastierend zur glamourösen Sonntagsgestaltung in »Holly Wood«. Mit Fotomontagen erinnerte Rudolf Denner nochmals an den Skandal um den Abriss des Palasts der Republik, der vor 40 Jahren eröffnet worden war. Die Interessengemeinschaft PdR engagiert sich nun für ein Konzept zur kulturellen Nutzung des neu erbauten Schlosses. Dieter Eckardt, Berlin, brachte die Betrachter mit seinen satirischen, teils deftigen »Denkzetteln« in Collagetechnik zum Lachen. Günther Böhme aus Berlin malte in expressiven Farben den »Suchenden« und »Zeichenhaft« – wohin sich wenden? In einer großformatigen, geätzten Radierung formulierte Stefan Bannow aus Odense, Dänemark, seine surrealistische Interpretation des Ausstellungstitels »Ni dieu, ni maître – wir brauchen keine anderen Herren, sondern keine!«. Mit zartem Strich zeichnete Alwina Heinz aus Düsseldorf einen angeketteten, belasteten »Trainbird« (Zugvogel).
 
Flucht, Vertreibung, Angst und Hilflosigkeit waren Gegenstand noch mehrerer Kunstwerke. Ahmad Majd Amins Gemälde führte uns mit expressiven Farben eine den Menschen todbringende gescheiterte Flucht vor Augen, auf einem anderen Bild beklagt er die unmenschliche Aussperrung an europäischen Grenzen. Stefan Skiba aus Bremen schuf in einer Schattenrisstechnik eine große Schwarzweißzeichnung und aus brüniertem Stahl mehrere kleine Skulpturen von flüchtenden Menschen, die ihre wenigen Habseligkeiten in einem Koffer bei sich tragen. Dagegen stellt Fidels Daughter die Unersättlichkeit der kapitalistischen Finanzwelt angemessen konstruktivistisch-sachlich in ihren Grafiken »Give me more« und »No way out« dar.
 
Doch es gibt Wege aus dieser verkehrten Welt: Irmgard Voelz malte sich inmitten ihrer aus Afrika und Indien stammenden Kinder: ein anrührender Ausdruck von Nähe und Geborgenheit! Michael Chrapek schaut mit einem im Stil einer Steinzeitwandmalerei gefertigten Relief zurück auf die kommunistische Urgemeinschaft der Menschheit. Mit einer monumentalen Installation zeigte Julia Wally Wagner aus Helmstedt Vogelkäfige mit Vögeln aus alten Büchern – die schwarzen harren in Gefangenschaft aus, während andere, bunte, aus dem geöffneten Türchen in die »Freiheit« fliegen. Verführerisch schön ist die »Friedensbotin« von Rosa Treß aus Kiel. Diese Holzskulptur wirkt zart, obwohl sie mit einer Kettensäge geformt wurde. Mit ihrer patinierten und vorsichtig eingefärbten Oberfläche erscheint sie metallisch und geradezu edel. Die Figur hält mit ausgestreckten Armen und beiden Händen eine Friedenstaube, die noch nicht zum Abflug bereit ist. Ihre Flügel sind gesenkt und scheinen sich an die haltenden Hände anzuschmiegen.
 
Diese Kunstausstellung schien erfüllt vom Geist des Appells von Sänger und Komponist Jacques Brel: »Vivre debout«, »aufrecht leben«.
 
Alle Exponate können in der Onlinegalerie zur Ausstellung angesehen werden: www.gruppetendenzenberlin.wordpress.com
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