Arnold Schölzel
Der Krieg Israels in Gaza dauerte bereits zwei Wochen, als sich
mehr als 1600 Interessierte am 10. Januar 2009 zur XIV.
Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz in der Berliner Urania
versammelten. Der Protest gegen das kalkulierte Morden an der
Zivilbevölkerung und die Analyse der politischen
Hintergründe dieses Feldzuges bestimmte diesen Tag.
Die Leiterin des International Action Centers in New York, Sara
Flounders, brachte einen inner-US-amerikanischen Akzent in die
Debatte, der weit über die Vereinigten Staaten hinaus von
Bedeutung ist. Sie meinte, die Antikriegsaktivisten in den USA
hätten einen Vorteil, wenn sie über diesen jüngsten
Krieg aufklären wollten: George W. Bush. Seine Kriege und die
permanenten Lügen zu ihrer Rechtfertigung seien überall
im Land im Gedächtnis. Wenn er Israel 150prozentig
unterstütze, werde allgemein angenommen, daß auch dies
mit Lügen und Kriegsverbrechen verbunden sei.
Die Ironie dieser Betrachtung hat einen ernsten Kern: Der gerade
verabschiedete US-Präsident personifiziert fast ein Jahrzehnt
klassisch imperialistischer Kriegs- und Unterdrückungspolitik.
Sein Amtsantritt 2001 stand im Zeichen von Protzerei mit
militärischer und ökonomischer Supermacht und dem
erklärten Willen, Pflöcke für ein »neues
amerikanisches Jahrhundert« einzuschlagen. Acht Jahre
später verließ Bush das Weiße Haus als einer der
am meisten verachteten Politiker seit Jahrzehnten. Die USA und die
Welt stecken in der schwersten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren, die
Feldzüge waren – trotz militärtechnischer
Überlegenheit – ein Desaster.
Die US-gelenkten Kriege dieser Ära konnten politisch nicht
verhindert werden, militärisch aber waren sie kein Erfolg.
Längst ist weltweit die Einsicht verbreitet, daß die
selbst erklärten Herren der Welt nur in Grenzen so
können, wie sie wollen. Eine starke Gegenbewegung derjenigen,
die nicht mehr wie bisher weiterleben und keinen Frieden mit dem
imperialistischen Krieg machen wollen, ist daraus noch nicht
geworden. Aber die Konturen, Möglichkeiten und Voraussetzungen
einer solchen Tendenz wurden auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz
umrissen. Sie wird sichtbarer werden – ob in München am
7. Februar oder zwischen Strasbourg und Baden-Baden Anfang April.
Die Auffassung, daß dieser
»Militärkapitalismus« (Imad Samaha) weg muß,
breitet sich aus.