Jürgen Heiser
Foto: jW-Archiv
|
Heute ist es auf den Tag genau 25 Jahre her, daß der Journalist und
ehemalige Black Panther Mumia Abu-Jamal in Philadelphia verhaftet
wurde. Am 9. Dezember 1981 war er noch spät abends als Taxifahrer
unterwegs. Sein Einkommen als Radiojournalist reichte nicht, seine
junge Familie zu ernähren. Er war 27 Jahre alt und konnte nicht ahnen,
daß er nach dieser Nacht sechs Monate in Untersuchungshaft und nach
seiner Verurteilung zum Tode am 3. Juli 1982 den Rest seines bisherigen
Lebens ununterbrochen im Todestrakt verbringen würde.
Abu-Jamal
war an jenem 9. Dezember zufällig Zeuge geworden, wie der Polizist
Daniel Faulkner seinen Bruder Billy bei einer Verkehrskontrolle
verprügelte. Der Vorwurf, den Polizisten erschossen zu haben, ist
mittlerweile durch zahlreiche Sachbeweise und Zeugenaussagen widerlegt,
aus denen sich klar ergibt, daß der wahre Todesschütze entkommen
konnte. Bis heute hat sich aber keines der zuständigen US-Gerichte mit
diesen Beweisen befaßt. Im Gegenteil blieben die Akten auch bezüglich
der seit 1995 angestrebten Wiederaufnahme des Verfahrens »sauber« und
enthalten nur die Version der Staatsanwaltschaft.
Die zuständige
Berufungsinstanz des Bundesbezirksgerichts in Philadelphia hat nun über
drei zugelassene Berufungsgründe der Verteidigung zu befinden, bei
denen es um rassistische Vorurteile in der Verfahrensführung durch den
früheren Richter Albert Sabo und den Ausschluß von schwarzen Kandidaten
aus der Jury geht sowie Sabos Ausspruch in einer Verhandlungspause, er
werde der Staatsanwaltschaft »helfen, den Nigger zu grillen«.
In
den ersten Monaten des neuen Jahres wird es vor dem dreiköpfigen
Richtergremium eine mündliche Anhörung geben, bei der Verteidigung und
Anklage ihre Argumente noch einmal vortragen und die Richter ihnen
Fragen stellen können. In den Folgemonaten wird das Berufungsgericht
dann sein Urteil fällen, das sich zwischen der Anordnung eines neuen
Verfahrens und der Bestätigung des Todesurteils bewegen kann. Im
letzteren Fall würden der Gouverneur von Pennsylvania, Ed Rendell, der
früher als Staatsanwalt gegen Abu-Jamal ermittelt hat, einen erneuten
Hinrichtungsbefehl unterzeichnen.
Abu-Jamals Hauptverteidiger
Robert R. Bryan gegenüber junge Welt: »Diese Entscheidung ist von
außerordentlicher Bedeutung. Ich werde alles dafür tun, diesen Kampf
auf Leben und Tod für meinen Mandanten zu gewinnen. Wir wollen einen
neuen, fairen Prozeß durchsetzen, weil ich erreichen will, daß mein
Mandant den Todestrakt als freier Mann verlassen kann. Dennoch muß ich
immer wieder betonen, daß Mr. Abu-Jamal sich immer noch in großer
Gefahr befindet.«
Am 13. Januar 2007 wird Bryan auf der XII.
Rosa-Luxemburg-Konferenz über den Stand des Verfahrens und die
Notwendigkeit breiter Solidarität sprechen. Vor dem Rathaus von
Philadelphia versammeln sich die Todesstrafengegner heute unter dem
Motto »Free Mumia!« zu einer Demonstration, und in vielen Teilen der
Welt finden an diesem Wochenende Kundgebungen und Veranstaltungen statt.
Info:
www.freedom-now.dejW-Dossier:
Mumia Abu-Jamal