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Nach Gesprächen mit den Vermietern der Konferenzräume für die Rosa-Luxemburg-Konferenz wurde deutlich: Die Tageszeitung junge Welt, das Kulturmagazin Melodie & Rhythmus und die unterstützenden Organisationen müssen für das kommende Jahr umdenken. Denn die Raum- und Besucherkonzepte, die uns wegen der Coronaauflagen vorgeschlagen werden, lassen höchstens ein Fünftel der ansonsten üblichen 3.000 Besucher zu – bei bleibenden oder sogar höheren Mietkosten.

Die Konferenz wird trotzdem stattfinden. Allerdings haben wir uns entschlossen, sie live zu streamen. Jeder kann also von zu Hause aus an der Konferenz teilnehmen und das Geschehen am Bildschirm mitverfolgen. Die Struktur der Veranstaltung aber soll bleiben: Mit einer Vernissage wird die Kunstausstellung »Sozialismus oder Barbarei« eröffnet, es wird ein digitaler Rundgang durch die Exposition angeboten. Es werden mindestens fünf internationale Referenten begrüßt, Mumia Abu-Jamal wird aus der Gefängniszelle zu uns sprechen. Auch der 150. Geburtstag von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht sowie der 150. Jahrestag der Kämpfe der Pariser Commune werden angemessen berücksichtigt. Zudem sind eine Runde mit Aktivisten, die abschließende Podiumsdiskussion und ein vielfältiges Kulturprogramm geplant. Das bedeutet aber auch, dass der technische Aufwand für die Konferenz deutlich höher sein wird als bisher. Zumal wir versuchen, neben dem deutschen auch einen englischen und spanischen Sprachkanal zur Verfügung zu stellen. Fest steht: Wir werden jede Menge neuer Erfahrungen und Ideen sammeln müssen, um auch unter den geänderten Bedingungen eine optimale Veranstaltung zu realisieren. Das betrifft genauso die Finanzierung der nächsten Konferenz, die diesmal nur über Spenden funktionieren kann.

Die Rosa-Luxemburg-Konferenz bleibt die wichtigste regelmäßig stattfindende Konferenz der deutschsprachigen Linken. Neue Erkenntnisse und das Zusammengehörigkeitsgefühl, welches Kraft für die kommenden Monate spendet und alle Teilnehmenden für die nächsten politischen Kämpfe stärkt, soll auch unter erschwerten Bedingungen vermittelt werden. Zwar ist uns klar, dass ein tatsächliches Zusammentreffen von vielen tausend Menschen, die die bestehenden Verhältnisse nicht nur kritisieren, sondern auch überwinden wollen, über den digitalen Weg kaum ersetzt werden kann. Aber vielleicht gelingt es ja in Berlin, einen größeren Saal für jene anzumieten, die von weit her in die Hauptstadt kommen, um am Sonntag an der traditionellen Ehrung von Rosa und Karl teilzunehmen. Denn die findet nach Angaben der Veranstalter auf jeden Fall am 10. Januar 2021 statt. Aber auch anderswo könnte so etwas organisiert werden: Kommt in euren Städten zusammen und verfolgt gemeinsam im angemieteten Saal die Konferenz. Das geht als Kleingruppe auch im Wohnzimmer. Deshalb: Bildet Banden!

 

Alexej Markow. Foto: Susann Witt-StahlAlexej Markow. Foto: Susann Witt-StahlEr liebt Literatur, Remarque, Márquez, Puschkin, und klassische Musik. In einer Armee hat er nie gedient. »Der Krieg ist ein abstoßendes und zutiefst unmenschliches Geschäft«, sagt Alexej Markow im Interview mit jW. Dass er heute dennoch freiwillig Flecktarn trägt, sogar leitender Politkommissar einer militärischen Einheit ist und in der blutigen Kesselschlacht von Debalzewe gekämpft hat, sei der Einsicht geschuldet, dass es manchmal in der Geschichte »noch schlimmere Alternativen« gebe.

Der 1973 in Omsk geborene Sibirier hatte zunächst eine akademische Laufbahn eingeschlagen. Im Alter von 16 Jahren zog er nach Nowosibirsk und studierte Atomphysik. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verließ er die Universität und leitete viele Jahre die IT-Abteilung diverser Unternehmen. Als die Kiewer Putschregierung im April 2014 ihre »Antiterroroperation« gegen die beiden nicht anerkannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk startete, habe er zunächst nur Geld für die fortschrittlichen Kräfte unter den Aufständischen gesammelt, erzählt Markow, der seit 2001 seinen Wohnsitz in Moskau hat. Aber während eines Besuchs bei der Brigade Prisrak versprach er dem mittlerweile ermordeten Kommandeur Alexej Mosgowoj mit Verstärkung zurückzukehren. Dieser habe nur erwidert: »Das haben schon so viele gesagt.« Aber Markow hielt sein Wort: Am 6. November 2014 gründete er mit 18 russischen Genossen die Dobrowoltscheskij Kommunistitscheskij Otrjad (DKO).

»Seit ich denken kann, bin ich überzeugter Kommunist«, berichtet Markow, der im Komsomol politisch sozialisiert wurde. Nach dem verfassungswidrigen Vorgehen des damaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin gegen den Volksdeputiertenkongress 1993 war er auch in die Kommunistische Partei eingetreten, habe sie aber 2001 wegen ihrer »profillosen Politik« wieder verlassen.

Markow − die Kämpfer der DKO nennen ihn liebevoll »Dobrij« (der Gute) − wendet sich bis heute entschieden gegen den Ausverkauf der Grundsätze des Kommunismus und fühlt sich, wie er sagt, dem Denken und Handeln Lenins, des Widerstandskämpfers Julius Fucíks, des humanistischen Pädagogen Anton Makarenkos und Che Guevaras verpflichtet. »Ihm war das Glück des Volkes wichtiger als Ministerposten.«

Beide Großväter Markows hatten im Zweiten Weltkrieg in der Roten Armee gegen Nazideutschland gekämpft und ihr Leben verloren. Wie Hitler damals für Thyssen und Krupp seien die Faschisten heute für die Oligarchen in der Ukraine »ein Instrument« zur Durchsetzung ihrer Profitinteressen. Wer so viel in Kriege investiere, habe kein Interesse daran, dass sie aufhören. »Ich werde nie die Bilder von dem Vater vergessen, der zusehen musste, wie der zerfetzte Körper seiner kleinen Tochter auf einen Lastwagen geladen wurde«, erinnert Markow an den ukrainischen Artillerieangriff im Spätsommer 2014 auf den Badestrand von Sugres, einer Stadt im Oblast Donezk. »Für die Faschisten, die nach der Devise ›der Donbass wird ukrainisch oder menschenleer‹ agieren, sind die vielen getöteten Kinder nichts als ›Brut des Kolorad‹« (Kartoffelkäfer – Schimpfwort für die Aufständischen), meint er. »Ich aber empfinde für sie, als wären es meine eigenen.«

Dennoch warnt Markow vor einer Dämonisierung der ukrainischen Soldaten. »Längst nicht alle sind Faschisten. Viele wurden zwangsrekrutiert und so manipuliert, dass sie die Menschen im Osten als ihre Todfeinde wahrnehmen«, erklärt er. »Wir hassen die Ukrainer nicht.« Allerdings ist Markow der Überzeugung, dass ein gerechter Frieden ohne militärischen Sieg über die Kiewer Truppen nicht zu haben sein wird − die Voraussetzung für einen historischen Prozess, der, so Markow, kategorisch notwendig sei: »Die Ukraine muss entnazifiziert werden.«

Wie alle Kommunisten und Sozialisten wird Alexej Markow am 15. Januar zweier Revolutionäre und Antiimperialisten gedenken, die vor hundert Jahren eine große Hoffnung der Arbeiterbewegung verkörperten und deren Ideen er für »immer noch zeitgemäß« hält. »Der heimtückische Mord an Luxemburg und Liebknecht hat die Menschheit herausragender Köpfe beraubt.«

Erschienen am 30. Dezember 2015 in der Tageszeitung junge Welt

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