Rüdiger Göbel
Die Internationale erkämpft das Menschenrecht – Ulla Jelpke, Esther Zimmering, Freja Wedenborg und Maria do Socorro Gomes Coelho (erste Reihe v.l.n.r.)
Foto: Ivanna Rahm/Arbejderen
Warteschlangen vor der Urania unweit des KaDeWe, an der Fassade ein
überdimensionales Plakat mit zerschlagenem Mordgerät – die
»Manifestation gegen imperialistische Kriege« ist am 11
.
Januar weithin sichtbar im Herzen Westberlins. Bei keiner anderen
Rosa-Luxemburg-Konferenz ist der Andrang schon zum Auftakt so groß
gewesen wie 2014, da sich der Beginn des Ersten Weltkrieges zum 100
.
Mal jährt – und Deutschland, das wird beim Erinnern in den
Bürgerfeuilletons dieser Tage gerne vergessen, in mehr als einem Dutzend
Ländern Soldaten im »Auslandseinsatz« hat
.
In der Urania sind die Reihen des großen Humboldt-Saales durchgehend
dicht besetzt, vom ersten Vortrag um elf am Morgen bis zum Schlußpodium
nach sieben am Abend und dem gemeinsamen, vielsprachigen Singen der
Internationale
.Weit
mehr als 2000 Besucherinnen und Besucher hören die Kriegs- und
Widerstandsanalysen von Jörg Kronauer (BRD) und Maria do Socorro Gomes
Coelho (Brasilien), von Zivadin Jovanovic (Jugoslawien) und Michel
Chossudovsky (Kanada)
.
Standing ovations schließlich für die bewegenden Auftritte des
dänischen Whistleblowers Anders Kaergaard und des südafrikanischen
Kommunisten Denis Goldberg, Weggefährte Nelson Mandelas
. Dazu Podiumsgespräche (siehe jW vom 13. und 15
. Januar) und Grußbotschaften etwa von den »Cuban 5« und Daniel Otegi aus dem Baskenland, wo an diesem 11
. Januar mehr als 130000 Menschen trotz Verbot auf die Straßen gehen …
Eine einmalige Begegnung für Linke verschiedenster Couleur ist diese Zusammenkunft
.
Da treffen sich Ossietzky-Herausgeber Eckart Spoo und Hintergrund-Mann
Ronald Thoden; Laura von Wimmersperg von der Berliner
Friedenskoordination und die Linke-Abgeordnete Heike Hänsel
. Freidenker, Vertreter von Mumia-Solidaritätsgruppen, Kuba-Brigadisten stehen mit ihren Büchertischen dicht an dicht
. Die Flüchtlingsgruppe vom Oranienplatz meldet sich zu Wort – »wir sind die Opfer der imperialistischen Kriege«
.
In einem Extraraum tagen DKP und SDAJ, und oben im Loft präsentieren
die Künstler der neu gegründeten »Gruppe Tendenzen« Skulpturen und
Bilder gegen den Krieg
.Und
zum Ende ein neuer Höhepunkt. Erich Schmeckenbecher, Gründer von
»Zupfgeigenhansel«, Grup Yorum aus der Türkei, die Portugiesen Luis
Galríto und António Hilário sowie »Strom & Wasser« sorgen mit ihren
»Liedern gegen den Krieg« für einen mitreißenden Abschluß der
schließlich erst kurz vor Mitternacht endenden Großveranstaltung
.Unserem
Freund, Kollegen und Genossen Werner Pirker, der aus Wien zu diesem
Neujahrsauftakt der Linken angereist war, widmen wir dieses Nein zum
Krieg
. Am Mittwoch haben wir, mitten in der Konferenznachbesprechung, von seinem Tod erfahren müssen