Vorstellung der Gäste
Mumia Abu-Jamal
Mumia Abu-Jamal, Geburtsname Wesley Cook, wurde im April 1954 in
Philadelphia, USA, geboren. In seiner Heimatstadt kam es bereits
1964 zu schwerwiegenden rassistischen Übergriffen, was
maßgeblich zu seiner Politisierung beitrug. Schon im Alter
von 14 Jahren begann Mumia als Hilfspressesprecher in der Black
Panther Party von Philadelphia, die damals undercover von der
US-Bundespolizei überwacht wurde, zu arbeiten. Später
wurde unter anderem von Amnesty International die Vermutung laut,
daß Mumias politisches Engagement sowie rassistische
Vorbehalte offizieller Stellen Einfluß auf das Mordverfahren
hatten. Seit dem 9. Dezember 1981 sitzt er in Haft. 1982
verurteilte ihn ein Gericht in Philadelphia zum Tode für einen
bis heute nicht bewiesenen Mord an dem Polizisten Daniel Faulkner.
Während der Haftzeit hat Mumia seine politische Arbeit
intensiviert. Er veröffentlichte die Bücher »Live
from Death Row« über das Leben im Gefängnis und
»Ich schreibe, um zu leben«. Darüber hinaus
liefert er Kommentare für linke Radiosendungen und publiziert
jeden Samstag eine Kolumne in der linken Tageszeitung junge Welt.
Seit ihrer Premiere vor 15 Jahren ist Mumia Abu-Jamal auch mit
einer Grußbotschaft auf der Internationalen Rosa-Luxemburg-
Konferenz in Berlin vertreten. Revisionen des Schuldspruchs und der
Verurteilung wurden bereits in den 1990er Jahren mehrfach
abgelehnt. Nachdem das Todesurteil am 27. März 2008 aufgehoben
wurde, lehnte der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten am 6.
April 2009 die Wiederaufnahme des Verfahrens wegen des
Rassismusvorwurfs ab und verwies am 19. Januar 2010 den Fall an das
Berufungsgericht zurück. Dabei wurde angeordnet, im Hinblick
auf die mögliche erneute Festsetzung der Todesstrafe ein
aktuelles Urteil in einem ähnlichen Fall zu
berücksichtigen. Im April 2010 reichte Mumia Abu-Jamals
Verteidigung erneut einen Schriftsatz ein, der die Ablehnung eines
neuen Verfahrens durch mehrere Gerichtsinstanzen des Bundesstaates
angreift. Am 28. Juli 2010 wurde von seiner Verteidigung beim 3.
US-Bundesberufungsgericht in Philadelphia erneut ein Antrag
eingereicht, der klären soll, ob Mumia Abu-Jamal hingerichtet
oder ihm zur Frage der Strafzumessung ein neuer Prozeß
garantiert wird. Für den 9. November 2010 war eine
mündliche Anhörung angesetzt.
Aufgrund der sich zuspitzenden Lage braucht Mumia Abu-Jamal jetzt
die Hilfe aller Aktivisten.
Robert R. Bryan
Robert R. Bryan ist ein Rechtsanwalt aus San Francisco/USA. Er ist
bekannt für seinen Einsatz gegen die Todesstrafe und seine
Arbeit zugunsten der Achtung der Menschenrechte. 15 Jahre lang
vertrat er Anna Hauptmann in ihrem spektakulären Fall, die im
Alter von 95 Jahren im Jahr 1994 verstarb. Sie war die Witwe von
Richard Hauptmann, der 1936 in New Jersey für die
vermeintliche Entführung und Ermordung von Charles A.
Lindbergh jr. hingerichtet wurde. Bryan bewies damals, daß
wissentlich ein unschuldiger Mensch verurteilt worden war. Seit
2003 wirkt Robert R. Bryan für die Aufhebung der Todesstrafe
gegen Mumia Abu-Jamal.
Brian Campfield
Brian Campfield ist seit November 2009 der Vorsitzende der
nordirischen Gewerkschaft für den Öffentlichen Dienst
(NIPSA), der größten Gewerkschaft in der Region. In den
70er Jahren führte er nicht nur die gewerkschaftlichen
Auseinandersetzungen in Belfast. Er arbeitete in
Widerstandsstrukturen gegen Paramilitärs und gegen
Demokratieabbau durch die englische Regierung. 1981 ging er zur
North Ireland Public Services Alliance (NIPSA).
Katrin Dornhein
Katrin Dornheim, geb. am 21. Januar 1976 in Dahme/Mark (Land
Brandenburg), begann nach dem Abitur 1995 eine Ausbildung bei der
DB Netz AG, gleichzeitig trat sie in die Gewerkschaft der
Eisenbahner Deutschlands ein (heute EVG, bis Dez. 2010 Transnet ).
Seit 1998 arbeitet sie als Fahrdienstleiterin bei der DB Netz AG
und baute hier die erste Konzern-Jugend- und
Auszubildendenvertretung (KJAV) auf, deren erste Vorsitzende sie
war. Bis 2002 war Katrin Dornheim ehrenamtliche Mitarbeiterin in
den verschiedenen Jugendgremien der Gewerkschaft TRANSNET. Danach
wechselte sie als Sachbearbeiterin zur DB Station&Service AG
und begann ein Studium zur Diplom-Betriebswirtin (VWA). Seit 2005
ist sie freigestellte Vorsitzende des Betriebsrates im Betrieb
Zentrale Berlin der DB Station&Service AG.
Ulla Jelpke
Die Journalistin Ulla Jelpke, am 9. Juni 1951 in Hamburg geboren,
schloß ihr Studium als Diplom-Soziologin und Volkswirtin 1993
ab. Sie ist seit den 68er Jahren als Linke aktiv, vor allem in der
autonomen Frauen- und später in der Umwelt- und
Friedensbewegung und ebenfalls als Strafvollzugshelferin
(1981–2000). 1981 und 1989 war sie Abgeordnete für die
Grün-Alternative Liste (GAL) in die Bürgerschaft Hamburg,
ihre Schwerpunkte lagen im Innen-, Rechts-, Frauen- und
Sozialausschuß. Nach ihrem Parteiaustritt kandidierte sie
1990 bei der Bundestagswahl auf der Liste der PDS. Als Parteilose
war sie von 1990 bis 2002 erstmals Mitglied des Deutschen
Bundestages. In dieser Zeit war sie Vorsitzende der Arbeitsgruppe
Innen- und Rechtspolitik und innenpolitische Sprecherin der
PDS-Bundestagsfraktion. 2005 trat sie der PDS bei und gehört
als innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion dem Bundestag an.
Ulla Jelpke wurde 2009 erneut gewählt und ist in der 17.
Wahlperiode Mitglied des Innenausschusses.
Bettina Jürgensen
Bettina Jürgensen war viele Jahre Betriebsratsvorsitzende und
ist in der Gewerkschaftsarbeit sowie antifaschistischen und anderen
Bewegungen ihrer Heimatstadt Kiel aktiv. In den 1990er Jahren hat
sie die Funktion der Bezirksvorsitzenden der DKP in
Schleswig-Holstein ausgeübt und ist seit Oktober 2010
Vorsitzende der DKP.
Christos Katsotis
Christos Katsotis ist Mitglied des Sekretariats der
Gewerkschaftsdachorganisation PAME und des ZK der KKE,
Griechenland.
Gesine Lötzsch
Die Philologin Gesine Lötzsch wurde am 7. August 1961 in
Berlin geboren. Sie studierte an der Humboldt Universität zu
Berlin und promovierte hier 1988 als Wissenschaftliche Assistentin.
Von 1984 bis 1990 war Lötzsch Mitglied der SED und seit 1990
der PDS. Hier hat sie seit 1994 den Vorsitz des Bezirksverbandes
Berlin-Lichtenberg inne und war Vorsitzende der PDS-Fraktion
(1991–1993) sowie Vorsitzende des Ausschusses für
Europa- und Bundesangelegenheiten und Medienpolitik
(1996–2002). Seit 2002 ist Lötzsch Mitglied des 15.
Deutschen Bundestages und nach der Wiederwahl 2005 stellvertretende
Vorsitzende und haushaltspolitische Sprecherin der Fraktion Die
Linke. Am 15. Mai 2010 wurde Gesine Lötzsch zu einer der
beiden Vorsitzenden der Partei Die Linke gewählt.
Norman Paech
Norman Paech (1938) war Professor für Politische Wissenschaft
an der Universität Hamburg (1975–1982) und Professor
für öffentliches Recht an der Hochschule für
Wirtschaft und Politik in Hamburg (1982–2003). Er ist u.a.
aktiv in der »Vereinigung demokratischer Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler«, in der »Freundschaftsgesellschaft
Vietnam–BRD«, im Wissenschaftlichen Beirat von
»International Association of Lawyers against Nuclear
Armement« (IALANA), in der Vereinigung »International
Physicians for the Prevention of Nuclear War« (IPPNW), bei
ATTAC und im Auschwitz-Komitee. 2001 trat Paech nach
jahrzehntelanger Mitgliedschaft aus der SPD aus und wurde 2007
Mitglied der Partei Die Linke. Von 2005 bis 2009 war er als
außenpolitischer Sprecher der Linksfraktion Mitglied des
Deutschen Bundestages. Ende Mai 2010 begleitete er einen
internationalen Hilfskonvoi in den Gazastreifen, der von der
israelischen Marine in internationalen Gewässern geentert
wurde.
Irma Teodora Sehwerert Mileham
Irma Sehwerert (geb. 1938 in Santa Cruz del Sur/ Kuba) ist die
Mutter von René González Sehwerert, einer der
»Kubanischen Fünf«, die im Auftrag der kubanischen
Regierung Informationen über geplante terroristische
Aktivitäten exilkubanischer Organisationen in den USA
sammelten und nach ihrer Verhaftung 1998 zu hohen Strafen
verurteilt wurden.
Irma Sehwerert emigrierte 1953 nach Chicago (USA) zu ihrer Mutter,
nordamerikanische Staatsbürgerin. Hier schloss sie sich der
Organisation »Por Justo Trato a Cuba« an, die sich
für einen fairen Umgang mit ihrem Heimatland einsetzt. Durch
den Angriff auf die Schweinebucht politisiert, kehrte sie nach Kuba
zurück und beteiligte sich an verschiedenen
revolutionären Aktivitäten. In der VI. Legislaturperiode
(2003–2008) war Irma Sehwerert Abgeordnete der
Nationalversammlung der Volksmacht (Asamblea Nacional del Poder
Popular). Obwohl 1994 in den Ruhestand gegangen, gehört sie
aktuell der Beschwerdekommission für die Bevölkerung an
und ist Vorsitzende des Ausschusses für soziale
Prävention ihrer Gemeinde. 2002 wurde ihr durch den Comandante
en Jefe, Fidel Castro, der Orden »Mariana Grajales«
überreicht.
Gáspár Miklós Tamás
Gáspár Miklós Tamás (geb. 1948)
studierte Philosophie und emigierte 1978 aus Rumänien nach
Ungarn. Er stand in Opposition zur Kádár-Regierung
und war von 1989 bis 1994 Parlamentsabgeordneter für den
Freidemokratischen Bund. Von 1991 bis 1995 leitete er das
Philosophie-Institut der Ungarischen Akademie der Wissenschaften
und lehrte an verschiedenen Hochschulen im In- und Ausland, u. a.
in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und den USA. Als
einer der bekanntesten Intellektuellen Ungarns entwickelte er im
letzten Jahrzehnt eine scharfe marxistische Kapitalismuskritik. Bei
den Europawahlen 2009 und den Parlamentswahlen 2010 war er
Spitzenkandidat des Bündnisses linker Parteien – unter
Einschluß der kommunistischen Ungarischen Arbeiterpartei
(UAP-2000) – »Grüne Linke – Zöld
Baloldal« (ZB). Bei der »Säuberung« der
Akademie der Wissenschaften nach dem Wahlsieg Viktor Orbáns
verlor er seine Stelle am Philosophischen Institut.
Gáspár Miklós Tamás
veröffentlichte zahlreiche Bücher zur politischen
Philosophie und zur Gesellschaftstheorie. Im letzten Jahr ist sein
Buch »Auf auf, Ihr Völker Europas«
(»Európa népei, talpra!«) erschienen: Ein
kompromißloser Frontalangriff auf die globalisierte
Marktwirtschaft, IWF, Weltbank und EU.
David Velásquez
David Velásquez, geb. 1978, ist Botschafter der
Bolivarischen Republik Venezuela in der Islamischen Republik Iran
sowie in Pakistan, Tadschikistan und Aserbaidschan. Von
1998–2005 war er Generalsekretär der Kommunistischen
Jugend Venezuelas (JCV) und bis Mai 2007 auch Mitglied des ZK der
Kommunistischen Partei Venezuelas (PCV), zuletzt als Nationaler
Organisationssekretär. 2005 leitete er das venezolanische
Nationale Vorbereitungskomitee für die 16. Weltfestspiele der
Jugend und Studierenden in Caracas. 2007 wurde er von
Präsident Hugo Chávez zum jüngsten und ersten
kommunistischen Minister ernannt und übernahm das Amt für
soziale Verantwortung und Beteiligung (Minpades). Nach einigen
Monaten ließ er sich von seinen Verpflichtungen als
Parteimitglied entbinden, um sich am Aufbau der Vereinten
Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV) zu beteiligen. Seit April
2009 ist Velásquez der venezolanische Botschafter in
Teheran. Zusätzlich übernahm er im Mai 2010 auch die
diplomatische Vertretung seines Landes in Pakistan sowie im
November 2010 in Aserbaidschan und Tadschikistan.
Inge Viett
Inge Viett, geb. 12.01.1944 in Stemwarde bei Hambuerg, war in den
1970er Jahren militante Aktivistin der Bewegung 2. Juni und der
RAF. Mehrfach war sie als politische Gefangene im Gefängnis.
1982 gab Viett den bewaffneten Kampf auf und emigrierte in die DDR.
Nach der Einnahme der DDR durch die BRD im Jahre 1990 wurde sie
wiederum verhaftet. 1997 wurde sie aus der Haft entlassen. Seitdem
ist sie in der Radikalen Linken und als Autorin aktiv. (»Nie
war ich furchtloser«, »Einsprüche«,
»Cuba libre bittersüß«, »Morengas
Erben«)